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  Franziska Walser und Edgar Selge
Schauspieler und Schirmherren von BASTA
 
 
ÜBER SCHIZOPHRENIE - Ursachen

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Besorgnis und Schuldgefühle

Wohl alle, Betroffene, Familienangehörige, Bekannte und Freunde, stellen besorgt die Frage, woher Schizophrenie kommt. Sie fragen sich, ob eine andere Lebensweise den Ausbruch verhindert hätte, wer schuld an der Krankheit ist. Insbesondere das Suchen und Fragen nach der Schuld belastet das Zusammenleben vieler an Schizophrenie erkrankter Menschen mit ihrer Familie. Bis heute weiß niemand genau, wie Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis entstehen. Es gibt jedoch eine Reihe von Vorstellungen, Theorien und Befunden. Die monokausale, d.h. die auf eine einzige Ursache bezogene Erklärung der Schizophrenie ist nach heutigem Wissensstand nicht möglich. Man geht vielmehr von einem multifaktoriellen Bedingungsgefüge aus biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren aus. Die weitere Erforschung dieser Einflussgrößen ist von großer Bedeutung, denn je besser man versteht, wo Schizophrenie herkommt, desto gezielter können zuverlässige Behandlung und Rückfallvorbeugung verbessert werden.

Mögliche Einflussgrößen

Psychologische Faktoren

Lange Zeit wurde fälschlicherweise von den sogenannten "schizophrenogenen Müttern" gesprochen: sie seien der "kalte, dominante und konfliktauslösende Elternteil", der dem Kind keinen anderen Ausweg lasse, als schizophren zu werden. Es ist leicht nachvollziehbar, wieviel Leid dieser Erklärungsansatz über die Familien der Betroffenen brachte. Inzwischen wurde er wissenschaftlich widerlegt und daher völlig verworfen. Es wurde auch die Behauptung aufgestellt, dass sich die Familien Schizophrener in mancherlei Hinsicht von normalen Familien unterscheiden, z.B. dadurch, dass sie sehr unbestimmte Formen der Kommunikation pflegen und zahlreiche Konflikte haben. Kommunikationsstörungen in Familien sind jedoch weit verbreitet und kein Spezifikum für Familien, in denen ein Mitglied an einer Schizophrenie erkrankt ist. In einigen Untersuchungen wurde auch ein Bezug zwischen den Zeiten des Zusammenseins mit den Angehörigen und dabei erkennbarer allzu intensiver Gefühlsbeziehungen (insbesondere eine zu kritische Haltung und/oder übermäßige Fürsorglichkeit) erkannt. Hierbei wurde eine Beziehung zwischen hoch emotionalen Familien und der Rückfallquote des erkrankten Familienmitglieds festgestellt: zu intensive und zu stark geäußerte Gefühlsbeziehungen können für den Erkrankten so stressig sein, dass sich sein Rückfallrisiko erhöht. Die emotionale Familienatmosphäre spielt jedoch eine wichtigere Rolle für den Verlauf der Schizophrenie als für ihre Entstehung. Verlaufsuntersuchungen haben gezeigt, dass Ausbruch und Verlauf schizophrener Psychosen von psychosozialen Bedingungen mitbestimmt werden: Belastende Lebenssituationen, die sog. life events, sind vor dem Entstehen schizophrener Erkrankungen überzufällig häufig. Es handelt sich dabei vor allem um zwischenmenschliche Konflikte: Einerseits sind es Mangel an Zuwendung und Verlust menschlicher Verbindungen, andererseits können zu viel Nähe und zu große Intimität Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung überfordern.

Genetische Faktoren

Eine genetische Disposition gilt heute als gesichert: Ergebnisse zahlreicher Studien weisen darauf hin, dass die Häufigkeit der Erkrankung in der Verwandtschaft schizophrener Patienten höher ist als in der Gesamtbevölkerung. Dass die Konkordanzrate bei eineiigen Zwillingen nur bei etwa 44% liegt, zeigt jedoch, dass neben Erbfaktoren noch andere Einflüsse für die Krankheitsentstehung bedeutsam sein müssen. Denn bei vollständiger Erbbedingtheit müsste die Konkordanzrate genauso hoch sein wie die genetische Übereinstimmung, nämlich 100%, d.h. beide Zwillingsgeschwister müssten an Schizophrenie erkranken.

Biochemische Faktoren

Eine Reihe von Befunden sprechen dafür, dass Auffälligkeiten im System der Botenstoffe, den sog. Neurotransmittern, im Gehirn der Betroffenen vorliegen. Die Hauptvermutung bezieht sich dabei auf den Neurotransmitter Dopamin: Untersuchungen ergaben, dass ein übermäßiges Vorkommen von Dopamin im Gehirn vorliegt, einem Stoff, der die Sensibilität der Gehirnzellen für Reize steigert. Für gewöhnlich ist dieses gesteigerte Bewusstsein nützlich bei Stress oder Gefahr. Für einen Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung kann jedoch ein solcher Effekt einen hyperaktiven Zustand des Gehirns verursachen und damit eine Psychose auslösen.

Ein Zusammenspiel von Einflussgrößen

Keiner der aufgezählten Faktoren löst für sich alleine gesehen eine schizophrene Erkrankung aus. Nach heutigem Stand der Wissenschaft handelt es sich vielmehr um ein multifaktorielles System, das sog. "Diathese-Stress-Modell". Es besagt, dass viele Menschen eine Disposition, also eine genetisch bedingte Veranlagung zur Schizophrenie haben. Es hängt jedoch von der "psychischen Robustheit" der Person sowie den äußeren Lebensumständen ab, ob die Schizophrenie zutage treten wird oder nicht. Die Menschen, die schizophren erkranken, sind hingegen empfindsamer gegenüber Innen- und Außenreizen als andere. Stresssituationen können bei ihnen, zusammen mit fehlenden Möglichkeiten, die Belastung anderweitig zu verarbeiten, eine schizophrene Psychose auslösen. Vulnerabilität, also Verletzlichkeit, ist das Schlüsselwort. Weniger robust zu sein als andere Menschen ist weder Schande noch Schwäche: Empfindsamkeit im Umgang mit Menschen und Dingen ist eine Chance zu vertieftem Erleben, intensiven Beziehungen und kreativer Lebensgestaltung. Es gibt niemanden, der daran schuld ist.

Verfasst von der Anti-Stigma-Arbeitsgruppe der LMU im Zusammenhang mit BASTA - dem Bündnis für psychisch erkrankte Menschen.