Kontakt I Registrierung I Tipps und Informationen I Diskussionsforum I Newsarchiv I Impressum 
 
 

über Schizophrenie I wir über uns I SANE I Service für Medienvertreter I Lernpaket Schule I Polizeiprojekt I Spende

 
 
  Franziska Walser und Edgar Selge
Schauspieler und Schirmherren von BASTA
 
 
ÜBER SCHIZOPHRENIE

Krankheitsbild
Ursachen
Kranlkheitsverlauf
Therapie
Angehörige
Alliance
Psychoedukations-
Programm
Das Bild der Schizophrenie und der von ihr Betroffenen in der Gesellschaft ist unzweifelhaft negativ. Die häufigsten Vorurteile gegenüber an Schizophrenie erkrankten Menschen sind:
  • Schizophrenie ist unheilbar
  • Die Betroffenen sind unberechenbar
  • An Schizophrenie Erkrankte sind gefährlich und gewalttätig
  • Sie können Andere mit ihrer Verrücktheit anstecken
  • Sie sind nicht fähig, rationale Entscheidungen für sich und ihr Leben zu treffen
  • Man kann sie nicht ernst nehmen
  • Schizophrenie ist das Ergebnis einer Charakter- oder Willensschwäche
Diese negativen Stereotype sind allgegenwärtig und häufig liegt ihnen Unwissenheit und die Identifizierung des betroffenen Menschen mit seiner Erkrankung zu Grunde. In der Folge werden psychisch Kranke häufig als "Irre" oder "Verrückte" abgestempelt. Bei der Wohnungs- und Jobsuche sind sie häufig benachteiligt. Erfährt das soziale Umfeld von der Erkrankung, wird Abstand genommen. Es bestehen große Vorbehalte, wenn Behandlungseinrichtungen oder Wohnstätten für psychisch erkrankte Menschen in der Nachbarschaft angesiedelt werden sollen. Der soziale Status, den psychiatrische Patienten einnehmen, ist weit niedriger als der von ehemaligen Strafgefangenen: laut einer US-Studie wird ein ehemals psychiatrisch Behandelter sogar nach fünf Jahren normalen Lebens und geregelter Arbeit sozial weniger akzeptiert als ehemalige Gefängnisinsassen.

Aus der Stigmatisierung erwächst also Diskriminierung innerhalb der Gesellschaft, die sich auf vielfältige Weise ausdrückt: von einer Abneigung, Menschen mit einer schizophrenen Erkrankung zu beschäftigen bis hin zur sozialen Ausgrenzung.

Stigmatisierung durch die Medien

Auch die Medien tragen durch ihre Berichterstattung zur Stigmatisierung von psychisch erkrankten Menschen bei. Die Stereotypen der Darstellung psychisch kranker Menschen haben seit dem zweiten Weltkrieg wenig Änderung erfahren. Nach wie vor verbreiten v.a. Fernsehen und Regenbogenpresse ein Sensationsimage von psychisch erkrankten Menschen. Seifenopern stellen sie als gewalttätig und mordlustig, unberechenbar und gefährlich dar. Eine amerikanische Studie zeigte, dass in Programmen, die in der Hauptsendezeit ausgestrahlt werden, 70% der psychisch kranken Charaktere als gewalttätig porträtiert wurden gegenüber nur 42% der gesunden Individuen. Die Mehrzahl der Rollen von psychisch Kranken im Fernsehen stellt diesen nicht nur als gefährlich dar, sondern auch von einem Hauch des Bösen umgeben, so daß Misstrauen und Schikane gerechtfertigt erscheinen.

Weitverbreitete Mythen

Die Annahme, daß Schizophrenie in allen Fällen eine unheilbare Krankheit ist, ist falsch. Wissenschaftliche Studien belegen, dass zwischen einem Viertel und einem Drittel der Patienten geheilt aus einer schizophrenen Psychose hervorgehen und ein mindestens ebenso großer Prozentsatz nur wenige oder leichte Rückfälle erleidet. Seit Sigmund Freud haben zahlreiche Psychiater versucht, die Ursachen für seelische Störungen in der Familie zu finden. Keiner von ihnen konnte jedoch beweisen, dass die familiäre Umgebung oder falsches Verhalten der Eltern Schizophrenie hervorrufen könne. Tausende Angehörige von an Schizophrenie erkrankten Menschen haben unter Scham, Schuld und Stigma als Folge der weitverbreiteten Akzeptanz solch falscher Theorien gelitten. Familienmitglieder tragen die Bürde, mit jemandem zusammenzuleben, dessen Handlungen und emotionale Reaktionen manchmal schwer verständlich sein können. Sie brauchen Mitgefühl und Unterstützung, nicht Schuldzuweisungen und Misstrauen. Der Glaube, dass Schizophrenie ansteckend sei, ist auf der ganzen Welt verbreitet und bildet die Grundlage für viele Vorurteile gegenüber psychisch erkrankten Menschen. Dieser Mythos entbehrt jeder Grundlage, da die Ursachen von Schizophrenie psychischer und genetischer Natur sind und so eine Ansteckung mit der Krankheit nicht möglich ist. Die durch die Medien unterstützte öffentliche Meinung, eine psychische Krankheit sei meist mit gewalttätigem Verhalten verbunden, kann von wissenschaftlicher Seite her nicht belegt werden. Die große Mehrheit von Personen mit psychischen Krankheiten begeht nie ein Gewaltverbrechen und psychisch erkrankte Menschen sind im Allgemeinen nicht gefährlicher als Gesunde derselben Bevölkerungsschicht. In Wirklichkeit sind Menschen, die an Schizophrenie erkrankt sind, eher Opfer von Missbrauch oder Gewalt als selber die Täter. Eine dauerhafte Unterbringung in entsprechenden Einrichtungen ist daher weder angebracht noch notwendig. Es tritt eher der gegenteilige Effekt ein: der psychische Gesundheitszustand und die Fähigkeit, sich im Leben zurechtzufinden, kann sich dadurch noch weiter verschlechtern.

Eine doppelte Belastung

Es ist leicht einzusehen, dass Stigmatisierung es für die Erkrankten doppelt schwer macht, sich sozial zu reintegrieren. Ohnedies ist es nicht leicht für sie, mit der Krankheit umgehen und sie akzeptieren zu lernen; durch Stigmatisierung und Diskriminierung werden ihnen jedoch noch zusätzliche Steine in den Weg gelegt. "Wir wollen dich hier so nicht haben" signalisieren ihnen die vielfachen Ablehnungen in Privatleben und Öffentlichkeit; eine Botschaft, die auch psychisch stabile und gesunde Menschen tief verletzen und in die Isolation treiben würde. Konsequenzen der Stigmatisierung sind u.a. Geldmangel für die Entwicklung von Einrichtungen des psychiatrischen Gesundheitswesens, Wohnungsprobleme, Arbeitslosigkeit und soziale Isolierung. Am schwerwiegendsten sind jedoch die Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf. Vorurteile und Ängste entstehen aus Mythen, und Mythen erwachsen aus Unwissen. Das Anti-Stigma- Programm will zur Bekämpfung von Diskriminierung und dem Abbau der Stigmatisierung der Krankheit Schizophrenie beitragen. Indem wissenschaftlich fundierte Informationen über die Krankheit an die Öffentlichkeit getragen werden sollen Vorurteile abgebaut werden. Auf diese Weise soll die Chance für ein stressfreieres und problemloseres Zusammenleben von psychisch Kranken und Gesunden geschaffen werden, was letztlich nicht nur zur sozialen Reintegration, sondern auch zur psychischen Gesundung der Betroffenen beiträgt.

Verfasst von der Anti-Stigma-Arbeitsgruppe der LMU im Zusammenhang mit BASTA - dem Bündnis für psychisch erkrankte Menschen.